Überblick
Alle Wege bei Stress im Überblick
Je nachdem, wie dringend es ist und was im Vordergrund steht, sind unterschiedliche Stellen zuständig. Hier finden Sie alle Wege, die der Wegweiser empfiehlt, mit den wichtigsten Schritten und Kosten.
Heute oder morgen
Schnelle Hilfe, auch nachts und am Wochenende
Wenn es Ihnen sehr schlecht geht, aber keine Lebensgefahr besteht, bekommen Sie zeitnah ärztliche Hilfe.
- Während der Sprechzeiten: in der Hausarztpraxis anrufen und sagen, dass es dringend ist. Viele Praxen haben Akuttermine am selben Tag.
- Abends, nachts und am Wochenende: ärztlicher Bereitschaftsdienst unter 116 117. Dort erfahren Sie, welche Bereitschaftspraxis offen hat oder ob ein Hausbesuch nötig ist.
- In vielen Regionen gibt es psychiatrische Krisendienste und psychiatrische Institutsambulanzen. Die 116 117 oder das örtliche Gesundheitsamt nennt Ihnen die zuständige Stelle.
- Wenn es wieder ruhiger ist: eine passende Praxis für die weitere Begleitung finden Sie in der Therapie-Suche.
Mehr dazu im Ratgeber: Wo finde ich Hilfe bei Stress?
Erste Anlaufstelle
Körperliche Beschwerden: zuerst in die Hausarztpraxis
Schlafprobleme, Herzklopfen, Magen- oder Kopfschmerzen können Folgen von Stress sein, aber auch andere Ursachen haben, etwa eine Schilddrüsenerkrankung oder Eisenmangel. Die Hausarztpraxis klärt das ab und koordiniert die nächsten Schritte.
- Termin in der Hausarztpraxis vereinbaren und offen sagen, dass Sie Stress als Ursache vermuten.
- Beschwerden vorher kurz notieren: seit wann, wie oft, was es besser oder schlechter macht.
- Je nach Befund: Überweisung zu Fachärztinnen und Fachärzten, zum Beispiel für Psychosomatik oder Psychiatrie, oder Empfehlung einer Psychotherapie.
- Gesetzlich versichert
- Die Behandlung ist Kassenleistung, Sie zahlen nichts dazu.
- Privat versichert
- Die Rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) reichen Sie bei Ihrer Versicherung ein. Wie viel erstattet wird, hängt vom Tarif und einem möglichen Selbstbehalt ab.
- Beihilfe
- Die Rechnung reichen Sie bei der Beihilfestelle und Ihrer Restkostenversicherung ein.
- Selbst zahlen oder unsicher
- In Deutschland besteht eine Krankenversicherungspflicht. Wenn Sie unsicher sind, ob und wie Sie versichert sind, helfen die Krankenkassen und unabhängige Beratungsstellen wie die Unabhängige Patientenberatung (UPD) weiter.
Mehr dazu im Ratgeber: Welche Symptome kann Stress auslösen? · Erstes Gespräch vorbereiten
Seelische Belastung
Psychotherapeutische Sprechstunde: klären, was hilft
Wenn Niedergeschlagenheit, Ängste, Grübeln oder Erschöpfung seit Wochen anhalten, ist die psychotherapeutische Sprechstunde der richtige Einstieg. Dort klärt eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut, ob eine Behandlung nötig ist und welche Form passt.
- Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde vereinbaren, direkt in einer Praxis oder über die Terminservicestelle unter 116 117 bzw. 116117.de.
- In der Sprechstunde wird besprochen, ob eine Psychotherapie, eine Akutbehandlung, eine Beratung oder etwas anderes sinnvoll ist.
- Vor Beginn einer Therapie schließt eine Ärztin oder ein Arzt körperliche Ursachen aus (Konsiliarbericht). Das übernimmt meist die Hausarztpraxis.
- Praxen in Ihrer Nähe, telefonisch oder per Video finden Sie in der Therapie-Suche.
- Gesetzlich versichert
- Sprechstunde und Therapie bei Praxen mit Kassenzulassung sind Kassenleistung, eine Überweisung brauchen Sie nicht. Finden Sie nachweislich keinen Therapieplatz in zumutbarer Zeit, kann Ihre Krankenkasse auf Antrag die Kosten einer Privatpraxis übernehmen (Kostenerstattungsverfahren).
- Privat versichert
- Die Leistungen hängen stark vom Tarif ab: Manche Tarife begrenzen die Zahl der Sitzungen, verlangen einen Antrag vor Therapiebeginn oder erstatten Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker für Psychotherapie nicht. Fragen Sie vorab schriftlich bei Ihrer Versicherung nach.
- Beihilfe
- Psychotherapie ist beihilfefähig, muss aber in der Regel vor Beginn bei der Beihilfestelle beantragt werden, oft mit einem Gutachten. Klären Sie parallel die Erstattung mit Ihrer Restkostenversicherung.
- Selbst zahlen
- Privatpraxen und Heilpraktikerinnen bzw. Heilpraktiker für Psychotherapie rechnen nach Gebührenordnung oder eigenen Sätzen ab, meist etwa 100 bis 150 Euro je Sitzung. Fragen Sie vor dem ersten Termin nach den Kosten.
Mehr dazu im Ratgeber: Wie bekomme ich eine Psychotherapie? · Was kostet Psychotherapie?
Arbeit & Gesundheit
Wenn nichts mehr geht: Krankschreibung und Rückkehr
Eine Auszeit kann notwendig sein, damit Sie sich erholen und die Ursachen angehen können. Eine Krankschreibung wegen psychischer Belastung ist genauso berechtigt wie bei einer körperlichen Erkrankung.
- Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung stellt in der Regel die Hausarztpraxis oder eine Fachärztin bzw. ein Facharzt aus. Die Diagnose erfährt Ihr Arbeitgeber nicht.
- Nutzen Sie die Zeit, um Unterstützung zu organisieren, zum Beispiel einen Termin in einer psychotherapeutischen Sprechstunde.
- Bei längerer Krankheit hilft die stufenweise Wiedereingliederung beim Wiedereinstieg. Sind Sie innerhalb von zwölf Monaten mehr als sechs Wochen arbeitsunfähig, muss Ihr Arbeitgeber Ihnen ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anbieten. Die Teilnahme ist freiwillig.
- Gesetzlich versichert
- Die ersten sechs Wochen zahlt Ihr Arbeitgeber das Gehalt weiter. Danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld, in der Regel 70 Prozent des Bruttogehalts, höchstens 90 Prozent des Nettogehalts.
- Privat versichert
- Die Lohnfortzahlung für sechs Wochen gilt genauso. Danach zahlt nur eine private Krankentagegeldversicherung, wenn Sie eine abgeschlossen haben. Prüfen Sie Ihren Vertrag.
- Beihilfe
- Beamtinnen und Beamte erhalten im Krankheitsfall ihre Bezüge weiter. Die Dienstunfähigkeit zeigen Sie Ihrer Dienststelle nach deren Vorgaben an.
- Selbstständig oder unsicher
- Selbstständige haben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Krankengeld gibt es nur mit Wahltarif der gesetzlichen Kasse oder einer privaten Krankentagegeldversicherung.
Mehr dazu im Ratgeber: Krankmeldung und Krankengeld · BEM und Wiedereingliederung
Orientierung
Beratung und Coaching bei Überlastung im Job
Nicht jede Belastung braucht eine Therapie. Wenn vor allem Arbeitsmenge, Organisation, Konflikte oder berufliche Entscheidungen Druck machen, kann eine Beratung schneller helfen. Halten Beschwerden wie Schlafprobleme oder Niedergeschlagenheit aber länger an, lassen Sie das bitte ärztlich oder psychotherapeutisch abklären.
- Im Betrieb nachfragen: Betriebsärztin oder Betriebsarzt, Betriebs- oder Personalrat und eine externe Mitarbeiterberatung (EAP) sind vertraulich und für Sie kostenlos, falls vorhanden.
- Psychologische Beratungsstellen, zum Beispiel von Caritas, Diakonie oder Kommunen, beraten kostenlos oder gegen geringe Gebühr.
- Coaching unterstützt bei Zielen, Grenzen und Arbeitsweise. Achten Sie auf Qualifikation, Erfahrung und ein kostenloses Vorgespräch.
- Kosten
- Coaching ist keine Leistung der Krankenversicherung. Manche Arbeitgeber übernehmen die Kosten. Beruflich veranlasstes Coaching können Sie unter Umständen als Werbungskosten steuerlich absetzen.
Mehr dazu im Ratgeber: Coaching oder Psychotherapie? · Seriöse Angebote erkennen
Vorbeugen
Vorbeugen: Kurse, Entspannung, Alltag
Wer früh gegensteuert, verhindert oft, dass aus Stress eine Erkrankung wird. Bewährt sind Stressbewältigungstrainings und Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder Achtsamkeitskurse.
- Einen zertifizierten Präventionskurs zu Stressbewältigung oder Entspannung suchen, vor Ort oder online. Ihre Krankenkasse hat eine Kurssuche.
- Kleine, feste Erholungsinseln einplanen: Pausen ohne Bildschirm, Bewegung, Schlaf zu festen Zeiten.
- Direkt ausprobieren: die 2-Minuten-Atemübung.
- Gesetzlich versichert
- Zertifizierte Präventionskurse nach § 20 SGB V bezuschusst Ihre Krankenkasse meist mit 75 bis 100 Prozent, in der Regel für bis zu zwei Kurse pro Jahr. Vorher die Bedingungen bei der Kasse erfragen.
- Privat versichert
- Einige Tarife erstatten Präventionskurse oder bieten eigene Programme an. Fragen Sie bei Ihrer Versicherung nach.
- Beihilfe
- Präventionskurse sind meist nicht beihilfefähig. Manche Dienstherren bieten eigene Gesundheitsangebote an.
- Selbst zahlen
- Ein zehnwöchiger Kurs kostet meist zwischen 100 und 200 Euro.
Mehr dazu im Ratgeber: Wann zahlt die Kasse einen Kurs? · Welche Entspannung passt zu mir?